So kann HR zum ökologischen Wandel beitragen

So kann HR zum ökologischen Wandel beitragen

Die Dringlichkeit zum ökologischen Handeln ist weltweit zu spüren. Das Thema Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend. Auch Unternehmen stehen in der Verantwortung und sind angehalten zu reagieren. Sie müssen ihre Unternehmensziele nachhaltig ökologisch ausrichten und ihre Ressourcenplanung zum Teil grundlegend überdenken. Die Maßnahmen sind vielfältig und reichen von Ressourcenschonung und Schadstoffvermeidung über Senkung des Energieverbrauchs bis hin zu einer ökologischen Unternehmenskultur. Hier stellt sich die Frage: Wie kann HR dazu beitragen?

Von Anne Geiter • 04.06.2020

Green HR ist ein noch sehr junges Forschungsfeld. Erstmals verwendet wurde der Begriff 2008 von Douglas W.S. Renwick, Professor für Sustainable Workforce Management an der Nottingham Business School. Gemeint ist der Beitrag des Personalmanagements zur Einhaltung ökologischer und nachhaltiger Ziele. Dazu zählen alle Methoden und Aspekte des HR-Managements, die dazu beitragen eine Organisation nachhaltig ökologisch zu gestalten.

Ein großer Teil unserer Gesellschaft verbringt viel Zeit am Arbeitsplatz. Geht man nun davon aus, dass im Unternehmen Nachhaltigkeit gelebt wird, so kann der Mitarbeitende – vorausgesetzt er lebt die Kultur – bereits einen signifikanten Beitrag zur Umwelt leisten. Im Idealfall entwickelt sich sogar ein Bewusstsein für einen ökologischen Lebensstil, das auf das Privatleben abstrahlt. Hier wird das Potential von Human Resources im Hinblick auf den ökologischen Wandel deutlich.

HR kann mit gezielten Maßnahmen Einfluss auf die Unternehmenskultur nehmen und ein Nachhaltigkeitsbewusstsein bei allen Organisationsmitgliedern schaffen.

Neben dieser strategisch grünen Ausrichtung von HR sollten bei Personalmanagern eine Reihe von operativen Maßnahmen auf der Agenda stehen. Diese lassen sich häufig bereits kurzfristig realisieren. Die folgende Auflistung beinhaltet eine kleine Auswahl an Beispielen zur praktischen Anwendung:


• Mobilität: Finanzielle Unterstützung beim Kauf einer BahnCard oder des ÖPNV-Tickets sowie Förderung von E-Fahrzeugen, BikeSharing, CarSharing, um Dienstreisen und Arbeitswege mit dem Auto oder dem Flugzeug zu vermeiden.

• Recruiting: Vollständige Digitalisierung des Bewerbungsprozesses sowie Durchführung von Telefon- und Videointerviews.

• Personalmarketing: Umstellung auf nachhaltige Werbegeschenke.

• Personalentwicklung: Schulungen konzipieren und anbieten, die Green HR im Denken und Handeln verankern.

• Arbeitsgestaltung: Flexibles Arbeiten und Home-Office-Tage ermöglichen, um Stauzeiten zu vermeiden sowie Termine außer Haus – falls möglich – remote durchführen.


Ziele und abgeleitete Maßnahmen von Green HR führen in Unternehmen unter Umständen zu Konflikten mit den persönlichen Interessen der Mitarbeitenden – nicht jeder möchte den Flug gegen eine deutlich längere Zugfahrt eintauschen. Zudem ist der ökologische Weg nicht immer der gewinnbringendste, auch wenn er mittelfristig Kosten reduzieren kann. Mitunter lassen sich finanzielle Ziele und Umweltziele nur schwer vereinbaren.

Trotz des offensichtlichen Nutzen von grünem Personalmanagement sind auch mögliche Widerstände zu erwarten.

Mitarbeitende, die mitziehen und Verhaltensweisen, die von allen mitgestaltet werden können, sind die Voraussetzung um in Unternehmen nachhaltig zum ökologischen Wandel beizutragen. Die Wirtschaftsuniversität Wien und die Universität Augsburg untersuchen aktuell in ihrer Studie zum Thema Comparative Green HRM verschiedene Strategien und Praktiken im internationalen Vergleich. Die Forschung soll unter anderem auch die Rolle der Teams betrachten und aufzeigen, wie Organisationsmitglieder mit Herausforderungen und Hindernissen im ökologischen Kontext umgehen. Die Ergebnisse bleibt es noch abzuwarten, aber die Studie betont einmal mehr die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit im Personalmanagement.

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