Schoene neue Arbeitswelt

Schöne neue Arbeitswelt - Anforderungen an die Personalarbeit

Das letzte Jahr war für viele Unternehmen eine Herausforderung. Für Personalabteilungen hieß es, die neue Normalität anzuerkennen und Bedingungen zu schaffen, zu denen möglichst störungsfrei weitergearbeitet werden kann. Nach dem Durchhalten gilt es nun durchzustarten und gewonnene Erkenntnisse der letzten Monate zu nutzen, um Unternehmen noch besser dabei zu unterstützen, in der neuen Arbeitswelt zu bestehen.

Anja Dehghan • 06.04.2021

Virtuelle Zusammenarbeit boomt wie nie zuvor. Laut einer Studie der TU Darmstadt gaben 77 % der Befragten an, mit ihrer Situation im Home-Office zufrieden zu sein. Diese Zufriedenheit ist allerdings abhängig von diversen Faktoren. Je wohler sich Menschen in ihrem Zuhause fühlen, umso produktiver werden sie. Aber auch andere Dinge spielen eine Rolle: Für Menschen mit mehr Berufserfahrung ist die Situation einfacher zu bewältigen, als für Berufseinsteiger. Diese vermissen den Kontakt zum Unternehmen und zu Kolleginnen und Kollegen, von denen sie lernen können.

In Berlin gilt seit letzter Woche die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die Unternehmen dazu verpflichtet, 50 % ihrer Bildschirmarbeitsplätze ins Home-Office zu verlegen. Diese Regelung fordert einmal mehr ein Umdenken, was Regeln und Routinen der Zusammenarbeit betrifft. Der Kontakt zu Team und Vorgesetzten ist viel schwieriger aufrechtzuerhalten und erfordert deutlich mehr Anstrengung. Hier sind besonders die Führungskräfte gefragt.

Aktuell ist es wichtiger denn je, den Teamgeist aufrechtzuerhalten.

Mitarbeitende können sich im Home-Office verloren fühlen, da gemeinsame Routinen wegfallen und eine ungeplante, direkte Kommunikation nicht möglich ist. Hier entstehen aber häufig die besten Ideen oder Lösungen. Diese Form des Austausches sollte weiterhin Raum bekommen. Es gilt, Freiräume zuzulassen und während der online Besprechungen auch mal vom Protokoll abzurücken oder andere Gelegenheiten zu schaffen. Mit kreativen Ideen kann die Motivation gesteigert und die Bindung zu den Mitarbeitenden auch während der Corona-Krise gefestigt werden. Warum nicht ein Teammeeting unter Wahrung der Abstandsregelungen nach draußen verlagern, wenn es die steigenden Temperaturen zulassen? Auch sollten Warnsignale frühzeitig erkannt und Stimmen aus dem Team gehört werden, wenn Überforderung anklingt oder Mitarbeitende sich zunehmend isoliert fühlen. Dies führt nicht nur dazu, dass Mitarbeitende sich nicht gesehen fühlen. Auch für Führungskräfte ist es schwieriger, Beurteilungen zu fällen, die über Beförderungen und die Besetzung von Projekten entscheiden. Hier ist es sinnvoll, vorhandene Instrumente zur Mitarbeiterbeurteilung zu überdenken. Das Jahresgespräch greift in einer solchen Arbeitsumgebung deutlich zu kurz.

Grundsätzlich sind ein paar wichtige Voraussetzungen nötig, um erfolgreich von zu Hause arbeiten zu können. Wer online an Besprechungen teilnehmen, regelmäßig auf wichtige Unterlagen zugreifen und unkompliziert im Austausch mit seinem Team sein möchte, muss nicht nur Flexibilität mitbringen, sondern sich auch mit technischen Gegebenheiten vertraut machen. Der Einsatz von neuen digitalen Tools gehört mittlerweile zum Standardprogramm, die Auseinandersetzung damit erfordert neben Digitalkompetenz auch eine gewisse Offenheit gegenüber Neuem. Virtuelle Zusammenarbeit verlangt außerdem ein gutes Selbstmanagement und klare Kommunikation, um Missverständnisse und den Verlust von Informationen zu vermeiden. Hier ist HR gefragt, die Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, digitale Kompetenzen zu stärken, Kommunikationsfähigkeiten auszubauen, um Konflikten vorzubeugen und Zufriedenheit und damit Leistungsfähigkeit sicherzustellen.

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden wünscht sich auch für die Zukunft die Möglichkeit zumindest teilweise das Home-Office nutzen zu können.

Denn sie fühlen sich nicht nur produktiver, auch die Arbeitszufriedenheit ist laut einer Untersuchung von Bitkom für jeden Fünften höher. Außerdem gaben knapp 80 % der Befragten an, dass sie weniger Stress im Home-Office verspüren. Die Zeitersparnis durch den Wegfall des Arbeitsweges und die bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben werden als große Pluspunkte wahrgenommen. Es führt also auch nach Corona mit Sicherheit kein Weg zurück in die reine Präsenzarbeit.

Zusammenarbeit auf Distanz verändert auch die Bedingungen bei der Besetzung von Stellen und dem Zusammenstellen von Teams. Galten bislang Unternehmensstandort oder Umzugsbereitschaft als wesentlich Faktoren, die über Einstellungen entschieden, so wurden im Zuge der Pandemie immer mehr Positionen auch auf Distanz besetzt. Unternehmen, die auf remote first setzen, vergrößern ihren Bewerberpool um ein Vielfaches, benötigen weniger Bürofläche und Mitarbeiter profitieren davon, flexibel von überall aus zu arbeiten. Auch wenn diese Form der Zusammenarbeit nur einen kleinen Teil der Unternehmen betrifft, so wird der Wechsel von Distanz- und Präsenzzeiten im Büro die Zusammenarbeit zumindest im Bereich der Wissensarbeit immer mehr bestimmen.

Auch das Recruiting auf Distanz stellt Unternehmen und Bewerbende vor neue Herausforderungen.

StepStone brachte im Zuge seiner virtuellen Karrieremesse in diesem Jahr einen Jobreport zur “Arbeitswelt Corona” heraus. Mehr als ein Drittel der Befragten empfinden demnach digitales Recruiting als nachteilig. 28 % gaben an, dass sie sich virtuell schlechter präsentieren können. Darauf müssen Unternehmen eingehen, damit auch auf die Entfernung verlässliche Einstellungsentscheidungen getroffen werden können. Das amerikanische HR Software Unternehmen simpeo hat gemeinsam mit der Jobbörse GoodJobs eine Technologie entwickelt, die das remote Recruiting deutlich vereinfachen soll. Die Technologie kopiert die Eigenschaften anderer Top-Performer in ähnlichen Jobs, um vorherzusagen, ob ein Kandidat erfolgreich sein wird. Die Plattform soll Arbeitgeber unterstützen, zu Beginn des Einstellungsprozesses Kandidaten zu identifizieren, die die besten Chancen haben, in der zu besetzenden Position erfolgreich zu sein.

Neben dem Matching von Kompetenzen sollte auch das Thema kulturelle Passung nicht unterschätzt werden. Hier kann auch HR Impulse liefern, die Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen, die am besten zum Unternehmen passen. Transparenz und Authentizität sind mehr denn je gefragt, wenn sich Talente auf Distanz ein Bild von der Unternehmenskultur machen sollen, um zu entscheiden, ob es für sie passt. Das ist eine gute Gelegenheit, die eigenen Employer Branding und auch Onboarding-Maßnahmen einem gründlichen Check zu unterziehen.

Zusammenarbeit auf Distanz stellt Unternehmen nicht nur vor zahlreiche Herausforderungen, sondern bietet auch Raum für neue Ideen und Lösungsansätze, weil an vielen Stellen mit vertrauten Strukturen und Gewohnheiten gebrochen werden muss. Viele Ansätze und Methoden der Personalgewinnung, -bindung und -entwicklung stehen auf dem Prüfstand und müssen sich unter digitalen Bedingungen neu beweisen.

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Photo Credit: Alexandra_Koch