Wie der Mittelstand auf die Digitalisierung schaut

WIE DER MITTELSTAND AUF DIE DIGITALISIERUNG SCHAUT

Die Digitalisierung gewinnt überall an Dynamik. Im Reifegrad der Digitalisierungsprozesse treten zwischen den einzelnen Unternehmen jedoch Unterschiede auf. Wir haben 20 Experten und Entscheider zum Stand der Digitalisierung in ihrem Unternehmen befragt.

Jens Bäumer • 24.08.2021

Fünf Reifegrade der Digitalisierung

Der Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 der Deutschen Telekom zeigt, dass gerade durch die Corona-Pandemie viele Unternehmen erkannt haben, wie wichtig die Digitalisierung ihrer Prozesse für die Produktivität der Unternehmen ist. Laut einer Telekom-Studie ist der Digitalisierungsindex im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte auf 58 Punkte gestiegen. Was aber bedeutet das konkret? Wir wollten es genauer wissen und haben 20 Experten und Entscheider gefragt: Wo genau steht der Mittelstand bei der Digitalisierung? Mit 80 Fragen zum aktuellen Stand der Digitalisierung haben wir mittelständische Unternehmen konfrontiert und deren Entscheidungsträger gefragt: „Wie sind die Unternehmen aufgestellt, wie ist ihre Einstellung zur Digitalisierung und welche konkreten Aktivitäten wurden umgesetzt?“ Das Ergebnis unserer (nicht repräsentativen) Studie ist eine Typologie von 5 Reifegraden der Digitalisierung. Dabei muss zwischen 2 Dimensionen einer erfolgreichen Digitalisierung unterschieden werden: Prozesse und Personen.

Folgende Typen haben wir identifiziert:

  1. Digitaler Experte: wichtigste Prozesse digitalisiert, Mitarbeiter denken digital, es existieren zusätzliche Digitalisierungspotenziale.
  2. Digitaler Wegbereiter: Prozesse in weiten Teilen standardisiert und zum Teil automatisiert, hohe Geschwindigkeit, schnelle Veränderung, Mitarbeiter noch nicht anschlussfähig.
  3. Digitaler Enthusiast: digital denkende Beschäftigte, vertraut mit neuen Technologien, konfrontiert mit tradierten Strukturen und wenig standardisierten, eher analogen Prozessen.
  4. Digitaler Entdecker: auf dem Weg zur Transformation. Strategische Verankerung digitaler Vorhaben, Themen zum Teil identifiziert, Maßnahmen geplant, aber noch nicht umgesetzt.
  5. Digitaler Nachzügler: reaktiv, eher wenig Vernetzung im Unternehmen, rudimentäre Digitalisierung von Prozessen, geringe Digitalkompetenz der Mitarbeiter.

Verteilung der Teilnehmenden auf die Typen:

Reifegrade Digitalisierung Personal und Prozesse

Unsere Interviews haben gezeigt, dass der Großteil der Teilnehmenden zu den digitalen Entdeckern gehört und sich somit schon auf dem richtigen Weg befindet. Nur Wenige sind top aufgestellt und können sich zu den Experten zählen.

Unser Fazit lautet: Digitalisierung ist im Mindset der Entscheidungsträger angekommen und in weiten Teilen in der Strategie der Unternehmen verankert. Die Digitalisierung der Prozesse wurde mit den Kernprozessen gestartet. Die Digitalisierung der unterstützenden Prozesse (auch HR - Prozesse) soll folgen, ist aber zu großen Teilen noch nicht umgesetzt.

Berührungsängste der Beschäftigten

Das größte Problem sehen die meisten Unternehmen darin, ihre Mitarbeitenden dazu zu motivieren, die neuen digitalen Tools anzunehmen und eben auch anzuwenden. Viele tun sich noch schwer mit den veränderten Arbeitsbedingungen. Zum Teil fehlt es an Eigeninitiative im Umgang mit den digitalen Herausforderungen. Das Ergebnis sind Berührungsängste und Unverständnis, die die Prozesse am Ende blockieren, statt sie zu vereinfachen.

Viele Unternehmen suchen daher nach einem niederschwelligen Einstieg, um Mitarbeitende für digitale Themen zu sensibilisieren und Berührungsängste abzubauen.

Sehr gute Ergebnisse können hierbei unserer Erfahrung nach mit einem „spielerischen“ Ansatz erzielt werden. In einer Art „digitalen Schnitzeljagd“ lösen die Teilnehmenden im Team Aufgaben, die nur unter Einsatz digitaler Hilfsmittel möglich sind. Dabei geht es nicht darum, die Dinge sofort perfekt zu beherrschen und zu verstehen, sondern sich gemeinsam auszuprobieren und direkt kleine Erfolgserlebnisse zu verzeichnen. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Trello Boards, elektronische Mindmaps, oder Mentimeter, mit denen eine ganz andere Form von Abfrage möglich ist. Es werden kurze Animations-Videos mithilfe von powtoon / Animiz erstellt, um zum Beispiel einen neuen Kollegen oder eine Kollegin zu begrüßen, die Teilnehmenden lernen in Videokonferenzen mit wechselnden Break Out Rooms umzugehen etc.

Ziel dieser „Schnitzeljagd“ ist es, den Mehrwert neuer Technologien konkret erfahrbar zu machen, so dass die Motivation, sich mit innovativen Themen auseinanderzusetzen steigt. Ängste oder Skepsis gegenüber Veränderungen, die die Digitalisierung im Unternehmen mit sich bringt, sollen gezielt adressiert werden. Im Kern geht es darum, Neugierde und Spaß an Innovation zu wecken und Selbstvertrauen zu stärken.

Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre MitarbeiterInnen fit fürs digitale Zeitalter zu machen. Kommen Sie gern auf uns zu. Weitere Informationen zu unseren Beratungsleistungen finden Sie hier

Photo Credit: MARTIN SANCHEZ on Unsplash